Ein Interview mit Gérard Rameix - Nationaler Kreditmediator

Gérard Rameix

Nationaler Kreditmediator

Datum der Veröffentlichung: Novermber 2012

Übersetzt von Inga H.

 

"Geht es um die Finanzierung, so sei nicht dramatisch, sondern erkenne Probleme im Vorfeld"

Können Sie uns etwas über die Arbeit eines Bürgerbeauftragten für Kredite erzählen?

Das System existiert seit etwas mehr als drei Jahren und ermöglicht uns eine bessere Perspektive. Zunächst, einige Statistiken: Es wurden 34000 Beschwerden erfasst 18 % aller Meldungen waren ungültig, aber mehr als 15.000 Mediationen verzeichneten einen erfolgreichen Ausgang. Dies bedeutet eine gesamte Erfolgsquote von 62 % aller behandelten Fälle. Dies deckt sich mit 270.000 stabilisierten und geretteten Arbeitsplätzen. Betrachtet man die materiellen und rechtlichen Anforderungen der Mediation, so ist das ein hervorragendes Ergebnis. Die Bankengemeinschaft stimmte diesem Spiel zu. Man legte dies durch eine Konvention fest, welche einen Status quo aller Bankbeziehungen durch die Prüfung des Finanzberichtes ermöglicht. Aber abgesehen davon, nutzt die Mediation die Macht der Überzeugung. Ab und zu stellt sich die Frage, ob das Prinzip der Kredit Mediation von Dauer sein sollte: Ohne politische Entscheidungen zu verurteilen, würde ich behaupten, dass die gegenwärtige Wirtschaftslage, das System auf Ihre Funktionsfähigkeit prüft.

Welche Unternehmen sind involviert? Welches waren die bemerkenswerten Veränderungen, seit der Einführung des Mediationsdienstes?

Auch wenn, zu Beginn Beschwerden von Unternehmen mit einer bestimmten Größe eingereicht werden konnten, so handelte es sich wesentlich um kleine und Mittelständische Unternehmen: Rund die Hälfte aller Anfragen wurde von Unternehmen gestellt, deren Kreditrahmen 50.000 €uro nicht überschreitet. Es existieren ein paar hundert Dateien von Unternehmen mit mehr als hundert Mitarbeitern. Diese werden meistens in Paris bearbeitet. Dateien mit mehr als tausend Mitarbeitern sind eher die Ausnahme.

Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine gerechte Darstellung der wirtschaftlichen Struktur Frankreichs. Gemäß der Konjunkturschwankung, können diverse Branchen, die empfindlich auf die Wirtschaftslage reagieren, unterrepräsentiert sein. ( z.B. Transportwesen, Kommunikationssektor, IT-Dienstleistungen sowie Hoch-und Tiefbau) Im Laufe der Zeit, besteht eine allgemeine Tendenz zu einem Rückgang neuer Fälle. Es ist jedoch eine Überraschung, dass im Zusammenhang mit der Stabilität des Bankensektors eine Änderung zu verzeichnen ist. Wir haben eine leichte Veränderung in der grundsätzlichen Entwicklung seit Ende 2011 bemerkt. Das war aber nichts im Vergleich zum Zeitpunkt, als wir mit der Mediation begonnen haben: Der aktuelle Durchschnitt liegt bei 450 Fällen pro Monat. Der Tiefpunkt wurde zu Beginn des letzten Sommers verzeichnet, mit rund 300 Fällen.

Was beinhaltet dieses System?

Bei der Kreditvermittlung handelt es sich um eine Nationalmannschaft, die sich je nach Aufgabe leicht und schnell anpassen lässt. Die Arbeit wird von den Teams der Banque de France, der französischen Zentralbank, unter der Leitung der Abteilungsleiter an jede Abteilung weitergeleitet. Die Tatsache, dass wir uns auf dieses riesige Netzwerk verlassen können, hat zwei Vorteile: Es ermöglicht uns, mit einer großen Anzahl von Fällen umzugehen. Diese werden, aufgrund der Nähe der französischen Zentralbank zu den Agenten, auf die bestmögliche Art und Weise behandelt. Insgesamt gewährleistet dies ein effizientes System, welches eine gute Unterstützung bei einer schlechten wirtschaftlicher Lage oder einer nachlassenden Kreditvergabe, bietet.

Sie haben kürzlich einen Bericht über die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen mitunterzeichnet: Was waren die wichtigsten Lektionen, die Sie für sich daraus gezogen haben?

Die erste hat mit Eigenkapital zu tun. Die derzeitige Situation ist sicherlich besser, als allgemein betrachtet. Wenn wir uns auf das Gewicht des Eigenkapitals in ihren Bilanzen stützen, sind die französischen Unternehmen in Bezug auf Europa insgesamt relativ gut aufgestellt. Diese Quote in den letzten zehn Jahren in einem vernünftigen Tempo gestiegen. Aber die aktuellen Trends sind jedoch besorgniserregend. Ein Hochrisiko-Sparer wird, oft vor sicheren Investitionen, bevorzugt. Er wird durch die Steuerpolitik unterstützt. Aufsichtsrechtliche Vorschriften, die Banken und Versicherungsunternehmen auferlegt werden, sind für den Aktienbesitz ungünstig geworden. Was den Kreditbericht angeht, so ist er der gleiche: Bis jetzt ist er positiv - zum Beispiel sind die Kredite in Frankreich günstiger und frequentierter als in anderen europäischen Ländern seit Beginn der Wirtschaftskrise. Aber wird dieser Zustand anhalten? Die beherrschende Stellung von Bankkrediten in einem Umfeld sollte in Frage gestellt werden. Die Aufrechthaltung langfristiger Kredite, könnte das Eigenkapital der Banken teuer zu stehen kommen.

Abgesehen davon stellt sich die Frage nach dem industriellen Sektor, der als der arme Elternteil des Bankkredits bezeichnet werden könnte. Unter der Schirmherrschaft des Observatoire du Financement des Enterprises (Wirtschaftsfahndungsinstitutes) wird eine Studie darüber durchgeführt: Es soll eine einvernehmliche Einsicht aufgeben - das Untersuchungsteam besteht aus Experten und Vertretern der Unternehmen und des Finanzsektors. Was fehlt derzeitig. Trotz der Qualität unserer statistischen Werkzeuge zum Thema, sind die Berichte und Vorschläge zu oft nur grobe Verallgemeinerungen.

Denken Sie, dass Sie die finanzielle Situation in Frankreich dramatisieren?

Es gibt keinen Grund, für eine dramatische Einstellung. Das Vorhersehen von Problemen ist aber notwendig. Wir müssen uns zum Beispiel fragen, unter welchen Bedingungen Kapitalinvestitionen, die bisher eine nicht verhandelbare Finanzierungsquelle darstellten, aber teilweise auf dem Einlagen- und Sendungsfonds, den Strategischen Investitionsfonds und auf Steuererleichterungen basieren, entwickelt werden können. Darüber hinaus neigen wir im Finanzbereich dazu, die Kommunikation zwischen Finanz- und Wirtschaftssektor zu vernachlässigen. Somit ist es nicht ausgeschlossen, dass einige französische Unternehmen die Forschung im Bereich der finanziellen Sicherheit auf Kosten der Risikobereitschaft eingehen. Im Allgemeinen neigt man dazu, die rein wirtschaftliche Seite - Strategie, Innovation, Marketing, Investitionen usw. - zu unterschätzen und der Finanzierung, wahrscheinlich viel zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Unsere Unternehmen leiden oft mehr an mangelnder Rentabilität oder am Wettbewerb, als an Schwierigkeiten beim Zugang zu Fonds.

Muss der Zugang dieser Unternehmen zu den Kapitalmärkten Vorrang haben?

In den kommenden Jahren wird eine starke Tendenz zum finanziellen Einlagenabbau bestehen. Das ist für sehr große Unternehmen bereits die Realität. Für die anderen Unternehmen, sagen wir mal für die meisten, heißt es alles in ihrer Macht stehende zu tun um dem entgegen zu steuern. Dabei sollte betrachtet werden was bereits getan wurde und was noch weiter entwickelt werden kann. Wenn es zum Beispiel darum geht, Ressourcen zu bündeln, um Zugang zum Anleihemarkt zu erhalten, gibt es bereits bestehende Systeme wie GIAC oder das Mikado-Projekt, das unter der Leitung von Middennext (dem unabhängigen französischen Verband, der börsennotiert ist) läuft. ( KMU-Kleine und Mittelständische Unternehmen) Auf diese lohnt es sich zu warten. Auch in anderen Ländern, wie Deutschland und in dem Vereinigten Königreich beginnen Marktplattformen angemessene große Projekte, um auf die spezifischen Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen zu antworten.