Die Geschichte des Bankwesens

Auszug: 1. “History of Banking“- Jahr: 2001 - Gascoigne.

2. "Bank Failures" - Living History Farm - Jahr 2003 -Bill Ganzel.

3. “Monetary History of the United States” S. 352 - Friedman and Schwartz.

 

Übersetzt von Inga H.

 

Sicher im Tempel: 18. Jahrhundert vor Christus

Reichtum in Form von Gold, bringt einen Nachteil mit sich. Es ist relativ einfach zu entwenden, falls es nicht gut versteckt oder geschützt ist. In früheren Zivilisationen galt der Tempel als ein sicherer Zufluchtsort. Zur sicheren Aufbewahrung wurde Gold in Ägypten und Mesopotamien in Tempeln gelagert. Es existieren Aufzeichnungen von Krediten, zur Zeit von Hammurabi (18 Jahrhundert v. Christus) in Babylon, die von Priestern des Tempels gemacht wurden. Die Finanziers sind griechischer und römischer Abstammung. Die Bankgeschäfte in Griechenland sind vielfältiger und anspruchsvoller als in jeder früheren Gesellschaft. Private Unternehmer sowie Tempel und öffentliche Körperschaften führen jetzt finanzielle Transaktionen durch. Sie nehmen Einlagen, machen Kredite, wechseln Geld von einer Währung in eine andere und testen Münzen auf Gewicht und Reinheit. Geldverleiher akzeptieren Bezahlungen in einer griechischen Stadt und arrangieren dies in einem anderen Kredit um unnötigen Münzentransport zu vermeiden. Rom übernimmt die Bankgeschäfte in Griechenland. Offiziell kann eine Geldschuld im 2 Jahrhundert n. Chr, in einer Bank beglichen werden. Öffentliche Notare  beglaubigen diese Transaktionen. Der Zusammenbruch des Handels nach dem Fall des Römischen Reiches macht Banker weniger notwendig als zuvor, und ihr Untergang wird beschleunigt durch die Feindseligkeit der christlichen Kirche gegenüber der Erhebung von Zinsen.

 

Religion und Bankwesen: 12. - 13. Jahrhundert

Das christliche Zinsverbot ist die Chance für Banker einer anderen Religionszugehörigkeit. Es gilt den europäischen Wohlstand zu finanzieren. Die Juden erfüllen dieses Bedürfnis. Ihr Erfolg und ihre extreme Religionsansicht, bringen Gefahren mit sich. Dasselbe gilt für die Tempelritter, die für einige Jahre ziemlich mächtig werden. Auch Ihnen gilt ein schlechter Ruf. Sie fallen Gerüchten, Argwohn und Verfolgung zum Opfer. Dies hat zur Folge, dass das gewinnbringende Geschäft des Bankwesens  in die Hände von gewöhnlichen christlichen Menschen übergeben wird.

Während des 13. Jahrhunderts ersetzen Bankiers aus Norditalien, die unter dem Namen Lombarden bekannt sind, nach und nach die Juden in ihrer traditionellen Rolle als Geldgeber gegenüber den Reichen und Mächtigen. Die unternehmerischen Fähigkeiten der Italiener werden durch ihre Erfindung der doppelten Buchführung verbessert. Kreative Buchhaltung ermöglicht ihnen Zinsen zu verlangen. Zinsen  werden in den Konten entweder als freiwilliges Geschenk des Kreditnehmers oder als Belohnung für das eingegangene Risiko ausgewiesen.

Florenz ist dank seiner berühmten Goldmünze, dem Florin, bestens für internationale Finanzierungen gerüstet. Durch die Bereitstellung  von Finanzdienstleistungen werden 2 Familien immens reich- die Bardi und die Peruzzi. Sie sichern das Einsammeln und die Übertragung von Geld, aufgrund der großen Feudalmächte. Das Papsttum spielt hier eine wesentliche Rolle. Sie erleichtern den Handel, indem sie den Händlern einen Wechsel anbieten. Ein Schuldner zahlt in einer Stadt ein, das Geld kann an einen Gläubiger ausgezahlt werden, falls der die Rechnung an einem anderen Ort vorgelegt hat. (ein Prinzip, das jetzt in Form eines Schecks bekannt ist). Im Anschluss wurden sehr viele Filialen der florentinischen Bankiers eröffnet.

n den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts ist Edward III. von England zu Beginn des Hundertjährigen Krieges mit dem teuren Kriegsgeschäft mit Frankreich im Gange Er ist in  Florenz stark  verschuldet. Nachdem er 600.000 Gold-Gulden von den Peruzzi und weitere 900.000 von den Bardi geliehen hat. 1345 kommt er seinen Zahlungen nicht nach, so dass beide Florentiner Bankhäuser in Konkurs gehen.

 

Die Fugger-Dynastie: 15. - 16. Jahrhundert

Anfang des 15. Jahrhunderts gelten die Medici als größte Bankdynastie in Europa. Ihre politische macht lenkt sie jedoch  von ihrem eigentlichen Geschäft des Geldverdienens ab. Die Medici verzeichnet später einen Erfolg als die Herzöge von Florenz.

 Aber ihre Rolle als führende Banker wird von einer deutschen Dynastie, der Fugger, gestört.  Die Fugger erwirtschaften gewaltigen Reichtum, indem sie die Finanzen des Papsttums und der Großfürsten frisierten. Die Verschiebung der europäischen Macht auf die Habsburger im späten 15. Jahrhundert ist die Grundlage des Fugger-Reichtums. Das größte Fugger-Projekt wird 1519 im Auftrag von Maximilians Enkel Charles unternommen. Charles entschließt sich, seinem Großvater als deutscher König und römisch-deutscher Kaiser zu folgen. Sein Gegenkandidat ist der französische König Franz I. Für seine Wahlkosten, wendet sich Charles an die Familie Fugger. Der Kandidat wird als Charles V. gewählt
Die Zinssätze betragen zu dieser Zeit nie weniger als 12% pro Jahr. Sollte  ein Kredit dringend erhöht werden, so konnte der Banker des 16. Jahrhunderts oft eine Rate von bis zu 45% aushandeln. Das Bankwesen ist für den Kaiser sehr profitable.  Kriegsführung und andere Staatsausgaben sind eine ständige Belastung für Charles 'Schatzkammer. Wie jeder Herrscher der Zeit übersteigen seine Kosten seine Einnahmequellen. Kredite von Bankiers füllen die Lücke. Oft werden sie durch Mitverträge auf Basis des königlichen Einkommens zurückgezahlt.

Die Umwandlung von Geldverleihern in Privatbanken geschieht im 17. und 18. Jahrhundert schrittweise. In England wird dies von verschieden Goldschmiede-Familien erreicht. Sie akzeptieren Geld für die Aufbewahrung von Wert. Im Anschluss beginnen sie etwas davon zu verleihen. Im 18. Jahrhundert etabliert sich  dies schließlich das Krengeschäft. Der Geschäftszweig des privaten Bankings steht in den Startlöchern. Als nächster Schritt folgt nun die Entwicklung der Nationalbanken.

 

Banken und Schecks: ab dem 16. Jahrhundert

1587 wird die „Banco della Piazza di Rialto“ als staatliche Initiative in Venedig eröffnet. Sie wird zum Zwecke der Haltung von finanziellen Transaktionen in Venedig errichtet. Neben diesen Aufgaben, soll sie die physische Übertragung von Münzen ermöglichen. Dies war eine der Bedingungen für den Handel mit Griechenland, welcher generell ein hohes Konkursrisiko aufzeigte. Eine verwandte Entwicklung ist die des Schecks. Hier war eine der Bedingungen, dass die Bank ein anerkanntes Geldinstitut ist. Ein Wechsel, die ursprüngliche Methode des Geldtransfers ohne Verwendung von Münzen, ist ein komplexer Vertrag zwischen privaten Parteien und einem oder mehreren Geldverleihern. Ein Scheck ist ein Wechsel zwischen den Banken, der von einer der Banken an denjenigen gezahlt wird, der den Scheck besitzt  und vorlegt. Diese vereinfachte Version eines Wechsels wird ab dem späten 17. Jahrhundert langsam akzeptiert. Gleichzeitig wird erkannt, dass der Bankprozess ein eigenes Gewinnpotenzial besitzt, das die Kosten für die Bearbeitung von Schecks und Geldüberweisungen mehr als decken kann.

Nationalbanken: 17. - 18. Jahrhundert

Venedig, ist wahrscheinlich die erste Stadt, die eine Bank für die Aufbewahrung von Geld auf gründete. Venedig ist auch ein Vorreiter der Beteiligung einer Bank an den Staatsfinanzen. Im Jahr 1617 wurde die  Banco Giro gegründet, um die Probleme der früheren Banco della Piazza di Rialto zu lösen, die durch die Vergabe ungesichertere Kredite in Schwierigkeiten geraten ist. Zu seinen Schuldnern gehört die venezianische Regierung. Der Banco Giro basiert auf dem Grundsatz, dass die Gläubiger der Regierung Zahlungen in Form von Krediten mit der neuen Bank akzeptieren. Die logische Erweiterung dieses Konzepts ist eine nationale Bank, die in irgendeiner Form einer Partnerschaft mit dem Staat gegründet wurde. Das früheste Beispiel ist die Bank of Sweden, die 1668 gegründet wurde. Heute ist sie  die älteste überlebende Bank der Welt.  Während des 18. Jahrhunderts übernimmt die Bank of England nach und nach viele der Aufgaben, die jetzt mit einer Zentralbank verbunden sind. All diese Banken nutzen die „Bank of England“ in Krisenzeiten als Kreditquelle. Zu diesem Zweck benötigt die Nationalbank eine große Reserve an Gold, die sie anhäuft, bis fast der gesamte Schatz des nationalen Goldbarrens in den Gewölben gelagert ist.

 

Banknoten: 1661-1821

Die Papierwährung erscheint erstmalig im 17. Jahrhundert in Europa. Schweden kann selbstverständlich  die Priorität beanspruchen (wie auch einige Jahre später in der ersten Nationalbank).
1656 gründet Johan Palmstruch die Stockholm Banco. Es ist eine Privatbank, welche gute Verbindungen  mit dem Staat aufweisen kann. (die Hälfte der Gewinne sind an die königliche Schatzkammer zu bezahlen). In Absprache mit der Regierung gibt Palmstruch 1661 Gutscheine heraus, die bei Vorlage bei seiner Bank gegen eine bestimmte Anzahl von Silbermünzen eingetauscht werden können.

Während des wirtschaftlich energischen 18. Jahrhunderts gibt es häufige weitere Experimente mit ersten Banknoten. Dies resultiert aus einem erkannten Bedürfnis heraus, dass Währungsangebot zu erweitern. Die Verfügbarkeit von Edelmetallen soll nun mehr zugänglich gemacht werden. Als die Restriktionsfrist 1821 endet, ergreift die britische Regierung vorsichtshalber den Goldstandard.

 

Die Rothschild-Dynastie: 1801-1815

Wilhelm IX., Herrscher des deutschen Bundeslandes Hessen-Kappel und Besitzer eines großen Vermögens, hat seit einigen Jahren seinen Freund Mayer Amschel Rothschild, einen jüdischen Bankier und Kaufmann aus Frankfurt, als privaten Berater engagiert. 1801 ernennt er ihn formell zu seinem Hofagenten und ermutigt ihn, in diesen schwierigen Jahren, in denen Napoleon den Kontinent beunruhigt, seine finanziellen Fähigkeiten anderen europäischen Fürsten anzubieten. Rothschild reagiert energisch auf diese Möglichkeit. Bis 1803 ist er in der Lage, der dänischen Regierung 20 Millionen Franken zu leihen. Das dänische Darlehen ist die erste von Regierungen beauftragte  Transaktion, die die Rothschild-Familie schnell zu Europas mächtigsten Bankiers macht. Dies führt dazu, dass die Rothschilds zu einer Überlegenheit aufsteigen, die vergleichbar ist mit der den Medici und den Fugger in früheren Jahrhunderten. Am Ende des Krieges hat die Rothschild Familie einen großen Ruf unter den Verbündeten und eine enge Beteiligung an den Staatsfinanzen vieler Nationen. Die Fugger nutzen ihren Reichtum verantwortungsvoll, dies ist noch in der Fuggerei zu sehen, die 1519 (dem Jahr der Reichswahl) in Augsburg erbaut wurde und bis heute in Betrieb ist. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts zieht sich die Familie nach einigen katastrophalen Wagnissen aus der finanziellen Risikobereitschaft zurück und lässt sich in die konventionellere aristokratische Existenz ein, die ihr Vermögen gekauft hat. Es wird noch andere solche außergewöhnliche Dynastien geben. Aber zu Beginn des 17. Jahrhunderts beginnt das Bankwesen auch in seinem modernen Sinn zu existieren - als kommerzieller Service für Kunden anstatt nur für adelige Könige.

Das 20. Jahrhundert

Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde durch die Finanzkrise von 1907 in den USA geprägt. Die Kurse an der New Yorker Stock Börse fielen dabei um fast die Hälfte von ihrem Höchststand 1906. Dies löste eine Panik aus, da sich das Land ohnehin in einer Rezession befand, und führte zu zahlreichen Bank Runs.

 

  • Die große Weltwirtschaftskrise

Das Gedränge an der New Yorker Union Bank währen der Weltwirtschaftskrise während des Crashs von 1929 war riesig.

Während des Crashs von 1929 vor der Weltwirtschaftskrise lagen die Margenerfordernissen nur bei 10%.  Das bedeutet, dass Maklerfirmen 9 Dollar für jeden Dollar, den ein Anleger hinterlegt hat, leihen würden.. Als der Markt fiel, riefen Makler diese Kredite zurück, da sie nicht zurückgezahlt werden konnten. Die Banken begannen zu scheitern, da die Schuldner mit ihren Schulden in Verzug waren und die Einleger versuchten, ihre Einlagen massenweise abzuziehen. Dies führte zu mehreren Bankläufen.

Bankzusammenbrüche  kumulierten, als verzweifelte Banker Darlehensverhältnisse kündigten, die die Kreditnehmer nicht  zur Verfügung hatten. Angesichts der schlechten Aussichten für die künftigen Gewinne wurden die Kapitalinvestitionen und der Bau verlangsamt oder ganz eingestellt.

Auf Grund von unsicheren  Krediten und sich verschlechternder Zukunftsaussichten wurden die überlebenden Banken in ihrer Kreditvergabe noch konservativer: Die Banken bauten ihre Kapitalreserven auf und kauften weniger Kredite ein, was den Deflationsdruck verstärkte. Ein Teufelskreis entwickelte sich und die Abwärtsspirale beschleunigte sich. Insgesamt scheiterten in den 1930er Jahren über 9.000 Banken. Als Reaktion darauf haben viele Länder die Finanzregulierung deutlich erhöht.

 

  • Deregulierung und Globalisierung

Die globalen Bank- und Kapitalmarktdienstleistungen sind  in den achtziger Jahren nach der Deregulierung der Finanzmärkte in einer Reihe von Ländern stark gewachsen. Der "Big Bang" von 1986 in London ermöglichte den Banken den Zugang zu den Kapitalmärkten auf eine neue Art und Weise. Dies führte zu erheblichen Veränderungen in der Art und Weise, wie Banken operierten und auf Kapital zugriffen. Es kam zu einem Trend,  bei welchem  Privatkundenbanken begannen, Investmentbanken und Börsenmakler zu akquirieren, die Universalbanken schaffen. Diese boten eine breite Palette von Bankdienstleistungen an.

 

21. Jahrhundert

Die frühen 2000er Jahre waren geprägt von der Konsolidierung bestehender Banken und dem Eintritt in den Markt anderer Finanzvermittler.  Große Unternehmen fanden ihren Weg in die Finanzwelt und boten eine starke Konkurrenz zu etablierten Banken an. Zu den angebotenen Hauptdienstleistungen zählten Versicherungen, Renten-, Geldmarkt- und Hedgefonds. Hierzu zählen Kredite sowie Wertpapiere. In der Tat umfasste die Marktkapitalisierung  15 der größten Finanzdienstleister der Welt bis Ende 2001, von welchen  vier davon  keine Banken waren.
Der Prozess der finanziellen Innovation hat im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts enorme Fortschritte gemacht und die Bedeutung und Rentabilität der Nichtbankfinanzierung erhöht. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war auch der Höhepunkt der technischen Innovation im Bankwesen der letzten 30 Jahre. Dies löste  eine große Verschiebung vom traditionellen Bankwesen zum Internetbanking aus.

 

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